Bettina Flitner ist bekannt als Fotografin und Filmemacherin, aber auch als Autorin – wir sprechen mit ihr in erster Linie über ihr Schreiben – über ihre Familie, denn kaum zu fassen: sowohl die Schwester als auch die Mutter begingen Suizid.
Nachdem sie mit ihrem Buch über ihre Schwester, die sich 2017 umgebracht hatte und in dem sie fragte, warum ihre schöne große Schwester nicht mehr leben wollte, auf Lesereise ging, kam sie aus Celle zurück, wo 40 Jahre zuvor ihre Mutter beerdigt wurde – und rekonstruiert das Unglück ihrer Familie.
Sie begibt sich auf einer Reise voller Überraschungen und Entdeckungen in den Luftkurort Wölfelsgrund im ehemaligen Niederschlesien, dem heutigen Międzygórze, wo ihre Vorfahren bis zur dramatischen Flucht 1946 ein Sanatorium besessen und geleitet haben. Aus den Erlebnissen ihrer Reise ins heutige Polen, den Tagebüchern und Dokumenten ihrer Familienmitglieder und ihren eigenen Erinnerungen an das Leben ihrer Mutter erschafft Bettina Flitner einen Familienroman, der zugleich eine nachgetragene Versöhnung mit der eigenen Mutter ist.
Im Gespräch mit Ulla Egbringhoff geht es um Trost und Versöhnung und um die Frage, welche Kraft im Erinnern und Erzählen liegen kann.
