Am 2. und 3. Juli 2021 findet in der tanzfaktur unser fünftes KunstSalon-Theaterpreis-Festival statt!

Drei Produktionen von drei freien Theatergruppen werden aufgeführt – gespielt wird um den ersten Preis in Höhe von 5.000 Euro. Für den zweiten und dritten Platz gibt es ein Preisgeld in Höhe von 3.000 und 2.000 Euro. Außerdem wird ein Publikumspreis in Höhe von 1.000 Euro vergeben.

Wir freuen uns sehr, die nominierten Produktionen bekannt zu geben!

ANALOGTHEATER: „Geister ungesehen“

Anlässlich der Jubiläen „75 Jahre Kriegsende“ und „30 Jahre Deutsche Einheit“ verortet sich GEISTER UNGESEHEN an der Schnittstelle zwischen historischen Fakten, performativer Fiktion und filmisch-dokumentarischer Untersuchung:
Demmin, ein Ort in Mecklenburg-Vorpommern, wird zum Gegenstand einer Spurensuche. In der Kleinstadt fand gegen Ende des zweiten Weltkrieges ein Massensuizid statt, der die Menschen dort bis heute zutiefst prägt. Das Ensemble von ANALOG untersucht die innerfamiliären Traumata mithilfe einer multiperspektivischen Film-Installation, für die Bühne, die sich collagenhaft den Themenkomplexen Heimat, Schuld und Vergangenheitsbewältigung widmet und uns helfen soll zu verstehen, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen. Der multimediale Arbeitsansatz ermöglicht ein universelles Erforschen sowohl vergangener als auch gegenwärtiger Strömungen, um die starke historische Zentrierung Demmins als Ausgangspunkt für eine gesamtgesellschaftliche politische Debatte zu nutzen.

Foto: Daniel Burgmüller


Artmann&Duvoisin: „Umzug in eine vergleichbare Lage“

Welche besonderen Mittel haben Tänzer*innen, Zeitgeschehen zu bezeugen und zu dokumentieren? Und wie wird dieses Dokumentieren zu einer politischen Handlung? In Anlehnung an Simone Fortis „News Animations“ hören und verarbeiten Artmann&Duvoisin die Körperlichkeit von Radionachrichten und erforschen den Weg vom Wort über die Sprache zur Geste, die den Körper einnimmt und damit den Worten eine physische Realität verleiht. Während sich im Frühjahr 2020 das Coronavirus in den EU-Ländern verbreitet, befinden sich an den europäischen Grenzen tausende geflüchtete Menschen unter katastrophalen Bedingungen, deren Situation in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer Meldung von vielen wird.

Artmann&Duvoisin suchen nach dem Potential eines Tanzens über die Nachrichten, um subtile Formen von Entmenschlichung einerseits spürbar zu machen und diese zugleich durch tänzerische Handlung und die Präsenz der Performer*innen auf der Bühne herauszufordern. Die Performer*innen agieren dabei als Archiv sowohl der Geschehnisse als auch der spezifischen Lage, aus der heraus die Geschehnisse erlebt oder aus der Ferne bezeugt werden. Kann ein körperlicher Zugang zu medial bezeugtem Zeitgeschehen jenseits von vergeblichen Versuchen der Einfühlung oder immersivem Voyeurismus aktivierend wirken?

„Umzug in eine vergleichbare Lage“ überlagert tänzerische Handlungen mit einer live gesprochenen, akustisch verstärkten und verfremdeten Textmontage. Fast unmerklich entsteht dadurch eine Verschiebung zwischen Fürsorglichkeit und Grausamkeit, zwischen Solidarisierung und Ausgrenzung, die das Publikum mit den Atmosphären und Brüchen des vergangenen Frühjahrs konfrontiert.

http://artmannduvoisin.de/de

Wehr51: „FRACTURA“

Im Zentrum des Stücks steht die körperliche und seelische Versehrtheit der Tänzerin Bibiana Jiménez.
Wir begleiten ihre Tanzkarriere und Migrationsgeschichte über Kolumbien nach Deutschland, biographische Brüche,Verletzungen, Narben, ihren Kampf um die Identität und die Rolle als Frau. Vor allem aber geht es um die kontinuierliche Überwindung des Schmerzes, ohne die eine Karriere als Tänzer*in undenkbar ist. Die Nüchternheit medizinischer Diagnosen wird der Wunsch der Tänzerin nach uneingeschränkter Beweglichkeit gegenübergestellt. Röntgenbilder werden als Mittel eingesetzt, ihr Leben von der faktischen Seite darzustellen.

Während fünf Schauspielerinnen der Lebensgeschichte von Jiménez ihre Stimmen verleihen, setzt die norwegische Künstlerin Katerina Caspersen live gestalterische Mittel ein, um das Leben und die Seelenzustände der Tänzerin auf der Bühne buchstäblich nachzuzeichnen.

https://wehr51.com/fractura.html

Foto: © Claus Stump

Wir danken herzlich den Förder*innen und Unterstützer*innen des KunstSalon-Theaterpreises:

KunstSalon-Stiftung

Ingrid und Hans Baedeker

Ilse Bischof und Bruno Wenn

Andreas C. Müller

sowie unserem Kooperationspartner, der

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