Rückblick »Das Kongo Tribunal – Kolwezi Hearings»

By Ulla Egbringhoff November 16, 2020

Der Theaterregisseur Milo Rau stellte 2017 im KunstSalon das Kongo-Tribunal vor, ein spektakuläres Projekt, das die Gründe und Hintergründe für den seit über 20 Jahre andauernden Krieg im Kongo offenlegte. „Wahrheit und Gerechtigkeit“ – Unter diesem Motto  steht „Das Kongo Tribunal“, das die Gründe und Hintergründe für den größten und blutigsten Wirtschaftskrieg der Menschheitsgeschichte mit bereits 6 Millionen Toten beleuchtet.

Drei Jahre später wurde die Arbeit des Kongo Tribunals fortgesetzt. Die internationale Jury des Kongo Tribunals ging nach Kolwezi im Südkongo, und Milo Rau, Regisseur, Autor und seit 2018 Leiter des Nationaltheaters in Gent, hat im gemeinsamen Gespräch mit Eva-Maria Bertschy, Dramaturgin und Produktionsleiterin, über die dortigen aktuellen Entwicklungen – die Kolwezi-Hearings – berichtet. Zugeschaltet aus dem Kongo war auch die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Céline Tshizena, die zweite Untersuchungsleiterin des Kongo-Tribunals.

Zunächst sahen wir ein Video, das über zeigte, welche Auswirkungen die Filmvorführung des „Kongo Tribunals 2017 im Ostkongo hatte, möglich geworden ist die Verbreitung des Videos  (mit overvoice auf Suaheli) durch zahlreiche Spenden – auch aus dem KunstSalon.  Hier nachzusehen: https://www.youtube.com/watch?v=LkiDMtQKXbI&feature=emb_logo

Der künstlerische Prozess des Kongo Tribunals ist fast zu einem juristischen Mythos geworden, einer symbolischen Vorlage, die zeigt, dass Vergehen wie Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverletzungen  justiziabel sind.

Weiter Informationen über das Hearing im Schauspiel Zürich finden Sie hier:

 https://www.facebook.com/watch/live/?v=1537870046407646&ref=watch_permalink, i

Im Februar nächsten  Jahres finden die Kolwezi Hearings ihren Abschluss in Kolwezi.  

Céline Tshizena berichtet von den Kolwezi Hearings – Dank an Milo Rau, der freundlicherweise konsekutiv aus dem Französischen für uns übersetzte. Die internationale Jury des Kongo Tribunals untersucht Menschenrechtsverletzungen in  Kolwezi im Südkongo, wo der Schweizer Rohstoffgigant Glencore die zwei größten Kobaltminen der Welt betreibt. Sie untersucht die Verantwortung von politischen Eliten und multinationalen Unternehmen in einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen, Fällen von Umweltverschmutzung und Korruption. Eindrücklich berichtet Cèline Tshizena von einem der vielen Beispiele: eine Frau, die nicht wusste, dass Säure in den Fluss geleitet wurde, erkrankte schwer nach dem Trinken des Wassers, das Unternehmen leugnet jedoch jeglichen Zusammenhang und ist nicht bereit, Entschädigungen zu leisten.

Milo Rau macht sehr deutlich, dass das Kongo Tribunal  reale Auswirkungen hat. Das Bewusstsein hat sich klar verändert, so dass sogar die lokale Regierung eine Institutionalisierung der Rechtsprechung fordert, was 2015 noch nicht der Fall war. Wichtig ist ihm aber auch die Nachhaltigkeit des Kongo Tribunals, mittlerweile drehen die Menschen vor Ort selber und setzen sich vor Ort für „Wahrheit und Gerechtigkeit“ ein.

Wenn Sie das Projekt unterstützen möchten, unter dem Stichwort „Kongo Tribunal“ können Sie hier Ihre Spende überweisen:

Spendenkonto KunstSalon e. V./Sparkasse KölnBonn
IBAN                     DE40 3705 0198 0023 2720 32

Zum Schluss zeigte uns Arne Birkenstock noch den Trailer des neuen Films von Milo Rau „DAS NEUE EVANGELIUM“. Kinostart ist der 17.12. und ab dem 27.12. steht der Film dann digital und unter wirtschaftlicher Beteiligung der Kinos zur Verfügung. Sollte der sogenannte Lockdown Light verlängert werden und die Kinos auch im Dezember noch geschlossen sein, wird der digitale Start auf den 17.12. vorgezogen.

Alle Infos finden sich ab Ende November auf dieser Website: 

http://www.dasneueevangelium.de/

Und den Trailer gibt es schon jetzt hier zu sehen:

https://vimeo.com/478892144

Es war ein ganz besonderer Vormittag und wir danken unseren Gästen sehr für die beeindruckenden Einblicke in dieser so wichtigen Arbeit.

 

Wir danken der freundlichen Unterstützung des Kulturamts der
Stadt Köln