Rückblick jour fixe mit Beate Heine und Jürgen Wiebicke

By Ulla Egbringhoff Juli 2, 2019

Im Jahr 1516 entwarf ein englischer Kanzler das Bild einer idealen Gesellschaft. Erschienen unter dem Titel „Utopia. Von der besten Verfassung des Staates“ schildert Thomas Morus in Form eines Reiseberichts Umrisse eines gerechten Gemeinwesens. Wie sieht es heute mit dem utopischen Denken aus? Suchen wir nach dem großen Wurf für unsere Zukunft? Und was genau soll anders, besser werden?

Im jour fixe brachten wir die Chefdramaturgin und Stellvertretende Intendantin des Schauspiels Köln Beate Heine mit dem Moderator und Autor Jürgen Wiebicke, bekannt u. a. mit der Radiosendung „Das philosophische Radio“ und dem Buch „Zehn Regeln für Demokratie-Retter“, zusammen.

Beide diskutierten über die Frage, was die Gesellschaft im Innersten zusammenhält. Wie kommt es dazu, dass viele Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden und der Ton in unserer Gesellschaft immer rauer wird? Dies zeigt sich z.B. daran, dass der Artikel 5 „Die Kunst ist frei“ von Rechtspopulisten in Frage gestellt wird – jüngstes Beispiel in Baden-Württemberg. Da das Schauspiel Köln sich in der nächsten Spielzeit mit dem utopischen Denken beschäftigt, ging es natürlich auch darum, wie wir uns eine bessere Zukunft vorstellen können.

Sollen wir uns gar nicht auf große Entwürfe konzentrieren, sondern besser im unmittelbaren persönlichen Umfeld beginnen, wie Jürgen Wiebicke meinte? Oder brauchen wir Utopien mehr denn je, denn  nur dann, wenn wir eine Vision davon haben, wo es hingehen soll, können wir auch für etwas eintreten, wie Beate Heine entgegnete?

Hitzige Debatte an einem sehr, sehr heißen Tag. Erfreulich viele Mitglieder und Gäste zeigten sich aber den tropischen Wetterkapriolen gewachsen und beteiligten sich ebenfalls mit Leidenschaft an der Diskussion, die – so war die positive Resonanz – unbedingt fortgesetzt werden sollte. Ein schöner Abschluss für die sonntäglichen Begegnungen im jour fixe vor der Sommerpause!